Der Datenaustausch gewinnt in der digitalen Fertigung und bei der geschäftlichen Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kann er echte Chancen eröffnen: höhere Effizienz, eine engere Zusammenarbeit in der Lieferkette, neue digitale Dienstleistungen sowie Unterstützung bei neuen Anforderungen wie dem „Digital Product Passport“.
Für viele KMU kann der Einstieg jedoch komplex, kostspielig und risikobehaftet erscheinen. Welche Daten sollten weitergegeben werden, und an wen? Wer behält die Kontrolle darüber, und wird sich die Investition auszahlen? Aus diesem Grund sollten KMU klein anfangen.
Ein fokussierter Anwendungsfall für den Datenaustausch verringert die Komplexität und das Risiko und erleichtert es, den geschäftlichen Nutzen frühzeitig aufzuzeigen. Anstatt von Anfang an eine umfassende Infrastruktur für den Datenaustausch aufzubauen, können KMU mit einem begrenzten Datensatz, einem Geschäftspartner und einem klar definierten Problem beginnen. Auf diese Weise lässt sich prüfen, ob der Datenaustausch echte Vorteile bietet, während gleichzeitig die für eine umfassendere Zusammenarbeit erforderlichen Kompetenzen und das nötige Vertrauen aufgebaut werden.
Beginnen Sie mit einem praktischen Anwendungsfall
Ein KMU könnte beispielsweise ausgewählte Produktionsdaten an einen Lieferanten weitergeben, um die Planung zu verbessern, Logistikinformationen mit einem Kunden austauschen, um Verzögerungen zu verringern, oder die für einen digitalen Produktpass erforderlichen Produktinformationen bereitstellen.
Das Ziel besteht darin, die richtigen Daten für einen klar definierten Zweck auszuwählen.
Die Bearbeitung eines praktischen Anwendungsfalls hilft einem Unternehmen, einige konkrete Fragen zu klären:
- Welche Daten müssen tatsächlich weitergegeben werden?
- Wer sollte Zugriff darauf erhalten?
- Unter welchen Bedingungen kann es verwendet werden?
- Wie können Daten aus verschiedenen Systemen ausgetauscht werden?
- Wie sollten Sicherheits-, Vertraulichkeits- und regulatorische Anforderungen berücksichtigt werden?
- Welchen messbaren geschäftlichen Nutzen bringt die Zusammenarbeit mit sich?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen vermittelt Mitarbeitern und Führungskräften praktische Erfahrungen in den Bereichen Daten-Governance, Interoperabilität, Zugriffs- und Nutzungsrechte, Sicherheit sowie Datenhoheit.
Wenn das Pilotprojekt einen Mehrwert bietet, kann es zur Grundlage für eine umfassendere Zusammenarbeit mit Lieferanten, Kunden und anderen Geschäftspartnern werden.
Ein praxisorientierter Weg hin zu Datenräumen
Ein schrittweiser Einstieg ist für KMU zudem eine sinnvolle Möglichkeit, sich auf die Teilnahme an Datenräumen vorzubereiten.
Datenräume sind so konzipiert, dass Unternehmen Daten über Unternehmensgrenzen hinweg austauschen und nutzen können, während sie gleichzeitig die Kontrolle darüber behalten, wie auf ihre Daten zugegriffen wird und wie diese genutzt werden. Dies ist insbesondere für KMU von Bedeutung, die zwar das Potenzial einer datengesteuerten Zusammenarbeit erkennen, jedoch weiterhin Bedenken haben, die Kontrolle über geschäftlich sensible Informationen zu verlieren.
An dieser Stelle kommen die von Gaia-X geförderten Grundsätze zum Tragen. Gaia-X unterstützt vertrauenswürdige und interoperable Datenökosysteme, die auf Grundsätzen wie Transparenz, Interoperabilität und Datenhoheit basieren. Für KMU erfordert die Umsetzung dieser Konzepte weder große Technologieinvestitionen noch eine komplexe Plattform für den Datenaustausch. Es kann mit einem Anbieter, einem Datensatz und einem geschäftlichen Problem beginnen.
Für KMU, die sich zum ersten Mal mit Datenräumen befassen, lautet die sinnvollere Ausgangsfrage: Welcher Anwendungsfall für den Datenaustausch könnte heute ein konkretes geschäftliches Problem lösen?
Indem sie mit einem konkret definierten Anwendungsfall beginnen, können KMU den Nutzen der Datenkooperation erproben, die damit verbundenen Risiken einschätzen und schrittweise die technischen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen schaffen, die für die Teilnahme an umfassenderen Datenökosystemen erforderlich sind.
Dieser schrittweise Übergang – von einem einzelnen Pilotprojekt hin zu einem umfassenderen Fahrplan für den Datenaustausch – steht im Mittelpunkt von Modul 5 des Schulungsprogramms „VET4DATACOOPERATION“, das Unternehmen der Fertigungsindustrie dabei unterstützt, die Ausweitung der Datenkooperation zu planen, sobald ein erster Anwendungsfall seinen Nutzen unter Beweis gestellt hat.
VET4DATACOOPERATION, ein Erasmus+-KA220-VET-Projekt, unterstützt Akteure der Fertigungsindustrie dabei, das Wissen und die praktischen Fähigkeiten aufzubauen, die für eine vertrauenswürdige Zusammenarbeit im Bereich Daten erforderlich sind. Durch praktische Schulungen, Beispiele aus der Praxis und innovative Lernressourcen hilft es Unternehmen, den Datenaustausch, Datenräume und Konzepte wie Gaia-X zu verstehen und diese in konkrete Geschäftsmöglichkeiten umzusetzen.
Besuchen Sie die offizielle LinkedIn-Seite, um aktuelle Informationen zum Projekt „VET4DATACOOPERATION“ zu erhalten: https://www.linkedin.com/showcase/vet4datacooperation/posts/
